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Decke drauf oder Decke ab? Warum nur dein Pferd die Antwort kennt – sonst keiner!


Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel: Sobald die Temperaturen fallen und das erste Mal Reif auf den Koppeln liegt, glühen die Tastaturen in den Reiterforen. Das Thema "Pferde eindecken" ist eines der am hitzigsten diskutierten Themen im Stalltrakt. Die Lager sind gespalten: Die "Pro-Natur-Fraktion" gegen die "Decken-Befürworter".


Mittendrin stehen viele Pferdebesitzer, die eigentlich nur das Beste für ihr Tier wollen, aber vor lauter Meinungen, Studien und Ratschlägen völlig verunsichert sind.



Der Wildpferde-Vergleich: Warum er oft hinkt

Ein Argument, das in dieser Diskussion fast immer fällt, ist die Wildpferde-Theorie: "In der Wildnis hat auch niemand die Mustangs zugedeckt!" Das stimmt natürlich. Aber Hand aufs Herz: Kann man eine hochsensible, 1,78 m große For Romance Dressurstute, die im modernen Sportpferdetyp steht mit hauch dünner Haut und Fell, die im Stall oder einem Paddock wohnt, wirklich mit einem robusten Mustang in den Weiten Wyomings vergleichen? Wohl kaum.


Unsere domestizierten Pferde leben unter völlig anderen Bedingungen:

  • Haltung: Wildpferde bewegen sich fast 24/7, was die Thermoregulation (Wärmeerzeugung durch Muskelarbeit) ankurbelt.

  • Fütterung: Sie fressen den ganzen Tag energiearmes Steppengras.

  • Zucht: Wir haben über Jahrhunderte auf Leistung, Eleganz und Rittigkeit gezüchtet – nicht unbedingt auf ein Fell wie ein Eisbär.


Einem Pferd, das im Training steht, geschoren ist oder einfach genetisch bedingt wenig Unterwolle bildet, die "Wildpferde-Karte" vorzuhalten, wird dem individuellen Tier nicht gerecht.



Die Wissenschaft gibt den Pferden eine Stimme: Die Norwegen-Studie

Interessanterweise gibt es wissenschaftliche Unterstützung für die Idee, dass Pferde sehr genau wissen, was sie wollen. Eine berühmte Studie aus Norwegen (Mejdell et al., 2016) hat genau das untersucht.


Was wurde gemacht? Forscher brachten 23 Pferden verschiedener Rassen bei, auf Symbole zu deuten. Ein Symbol bedeutete „Decke an“, eines „Decke aus“ und eines „keine Veränderung“.


Das verblüffende Ergebnis: Die Pferde lernten das Prinzip extrem schnell. Und sie entschieden nicht willkürlich:

  • Bei Regen, Wind und niedrigen Temperaturen wählten fast alle Pferde das Symbol für "Decke an".

  • War es sonnig und mild, signalisierten sie "Decke aus".


Diese Studie beweist: Pferde haben ein subjektives Empfinden für ihr eigenes Wohlbefinden. Sie sind keine Maschinen, die nach einer festen Tabelle (z.B. "Ab 5 Grad wird eingedeckt") funktionieren.



Meine Beobachtung: Individualität statt Dogma

Ich habe über die Jahre viele Pferde beobachtet und besessen. Meine Erkenntnis ist simpel: Manche brauchen und wollen eine Decke, andere eben nicht.


Es gibt den Typ, der bei nasskaltem Wetter sichtlich abbaut und zittert. Dieser Typ, der ohne Decke verspannt und Rückenprobleme bekommt.


Und dann gibt es den robusten Typ, der sich bei -10 Grad pudelwohl fühlt und die Decke innerhalb von fünf Minuten in Konfetti verwandelt.


Beides ist okay. Die Wahrheit liegt nicht in einer pauschalen Meinung, sondern im individuellen Pferd.


Die Lösung: Werde zum Experten für dein eigenes Pferd

Wenn du unsicher bist, dann lass die Forendiskussionen links liegen und schau stattdessen dein Pferd an. Es kommuniziert ständig mit dir:


  1. Die Körperhaltung: Steht dein Pferd mit hochgezogenem Rücken und eingezogenem Schweif in der Ecke?

  2. Die Thermik: Fühl mal hinter die Ohren oder an die Flanke. Sind diese Bereiche eiskalt?

  3. Das Verhalten: Wirkt dein Pferd unlustig, steif in der Bewegung oder sucht es ständig Schutz vor Wind und Wetter?

  4. Das Zittern: Zittern ist ein natürlicher Mechanismus zur Wärmeerzeugung, sollte aber kein Dauerzustand sein.


Fazit: Vertraue deinem Bauchgefühl

Lass dich nicht beirren. Wenn du das Gefühl hast, dass deine große Stute bei nasskaltem Wetter mit einer leichten Decke glücklicher ist, dann zieh sie ihr an – egal, was die "Natur-Pur-Verfechter" sagen. Wenn dein Pferd ohne Decke glänzt und zufrieden ist, dann lass sie weg – egal, ob alle anderen im Stall schon die 200g-Wattierung ausgepackt haben.

Die einzige Meinung, die wirklich zählt, ist die deines Pferdes. Konzentriere dich auf das, was du siehst, und nicht auf das, was andere für richtig halten. Dein Pferd wird es dir mit Gesundheit und Losgelassenheit danken.


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Wenn Decke, dann richtig: Worauf du achten solltest

Solltest du dich dazu entscheiden, dein Pferd einzudecken, gibt es ein paar goldene Regeln. Denn eine Decke ist kein „Anziehen und Vergessen“-Zubehör, sondern erfordert tägliche Kontrolle.


1. Die Passform ist das A und O

Nichts ist schlimmer als eine Decke, die bei jeder Bewegung am Widerrist scheuert oder die Schulter einengt.


Druckstellen vermeiden: Achte auf genügend Freiheit an der Schulter. Gehfalten helfen, damit die Stute auch beim Galoppieren auf der Koppel nicht eingeschränkt ist.


Widerrist-Check: Leg eine Hand unter die Decke am Widerrist, während dein Pferd den Kopf senkt (z.B. beim Fressen). Wenn es hier spannt, ist die Decke zu eng oder falsch geschnitten.


2. Das Problem mit dem "Einsperren" des Fells

Ein wichtiger Hintergrundfaktor: Pferde stellen bei Kälte ihre Haare auf (Piloerektion), um eine isolierende Luftschicht zu bilden. Eine Decke drückt dieses Fell flach.


Wähle die richtige Füllung: Wenn du eine Decke ohne Wattierung (0g) auf ein Pferd legst, das eigentlich Winterfell hat, nimmst du ihm die natürliche Isolierung, ohne für Ersatz zu sorgen. Das Pferd friert dann oft mehr als ohne Decke. Wähle im Zweifel lieber eine leichte Füllung (50g), die die Wärme speichert, die das Fell nun nicht mehr halten kann.


3. Tägliche Kontrolle: „Druntergucken“ ist Pflicht

Man sieht es leider oft: Decken, die wochenlang nicht abgenommen werden. Darunter können sich Hautprobleme wie Scheuerstellen, Pilz oder Talgansammlungen bilden.


Lüften: Nimm die Decke mindestens einmal am Tag ab. Putze dein Pferd kurz über, um die Durchblutung der Haut anzuregen und zu prüfen, ob alles trocken ist.


Feuchtigkeits-Check: Wenn es unter der Decke klamm ist, atmet das Material nicht richtig oder die Füllung ist zu dick. Ein schwitzendes Pferd unter einer Winterdecke ist extrem anfällig für Erkältungen.


4. Hygiene: Saubere Decken, gesundes Pferd

Eine verklebte, dreckige Innenseite reibt wie Schmirgelpapier auf der Haut.


Wechseldecken: Es ist immer gut, eine Ersatzdecke zu haben, falls die eine nach einem Tag im Matsch komplett durchgeweicht ist.


Regelmäßige Reinigung: Mindestens einmal pro Saison sollte die Decke professionell gewaschen und imprägniert werden, damit die Atmungsaktivität erhalten bleibt.

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Bitte beachten Sie folgende Sicherheitshinweise:
Die Umsetzung sämtlicher Übungen der Trainings, Kurse oder Seminare erfolgt auf eigenes Risiko.

Jeglicher Rückgriff auf den Ersteller, Hersteller oder Anbieter ist ausgeschlossen. Der Käufer entscheidet eigenverantwortlich über die Durchführung der Lektionen im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Auch bei gewissenhafter Ausführung können Verletzungen von Pferd und Mensch oder Sachschäden nicht vollständig ausgeschlossen werden. Der Käufer erklärt mit dem Kauf, dass er über dieses Risiko informiert wurde und im Schadensfall von Ersatzansprüchen absieht.

Die Verwendung eines Reithelmes wird ausdrücklich empfohlen.

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